Freitag, 18. Oktober 2019
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Das Wahre Leben in Gott im Herzen des christlichen Glaubens (Pater Raymond Halter)

Die "Botschaften des Friedens und der Liebe des Heiligsten Herzens Jesu", welche Vassula Rydén diktiert werden, sind bereits früh zu mir gelangt.
Freunde haben sie mir regelmässig zukommen lassen. Sie waren selbst sehr begeistert und hatten keine Versammlung mit Vassula verpasst und erzählten mir über diese Versammlungen, was sie gesagt und getan hatte.

Zu Beginn brachte mir die Lektüre der Botschaften eine Mischung aus Wissbegierde und Besorgnis. Es lag ein gewisser exotischer Aspekt darin:
Sie ist Griechin und ist griechisch-orthodoxe Christin. In dieser vertrauten Kommunikation zwischen Jesus und Vassula habe ich gewisse intime, glühende Akzente wie beim Seher von Patmos (dem Hl. Johannes, welcher die Offenbarung Gottes bekommt) verspürt. Vor der Allgegenwart des Heiligen Geistes konnte ich das Feuer aus Licht, welches den Heiligen Seraphim von Sarov umgibt, nicht vergessen.

Ich war jedoch vorallem durch ihre (Vassulas) Bekehrungsgeschichte angezogen. Durch ihren Ehemann kam sie in das Milieu großer internationaler Funktionäre, welche oft im Ausland leben, in großen Städten, in Entwicklungsländern. Der Herr hat einen weiten Weg zurückgelegt, um sie aufzuerwecken und aus ihr eine überzeugte Christin zu machen. Innerhalb kurzer Zeit führte er sie in das mystische Leben ein und bereitete sie vor, Seine Botin zu werden. Dieser Weg der Bekehrung interessierte mich außerordentlich. Zu jener Zeit befand ich mich in einem Dialog mit anderen Konvertiten und die Pädagogie des Herrn begeisterten mich.

Gleichzeitig konnte ich jedoch eine gewisse Besorgnis nicht vermeiden. Als Priester kannte ich die Haltung der Vorsicht, die man bei allen mystischen Phänomenen oder Privatoffenbarungen walten lassen muss. Es geht nicht darum, alles a priori zurückzuweisen, sondern dem Prinzip des Heiligen Paulus getreu zu bleiben:
« Löscht den Geist nicht aus! Verachtet prophetisches Reden nicht! Prüft alles und behaltet das Gute! Meidet das Böse in jeder Gestalt!» (1 Thessaloniker 5, 19-22).

Tatsächlich wurde ich bereits viele Male mit Botschaften aus dem Spiritismus konfrontiert.
Das in Trance befindliche Medium sagte ’eingegebene’ Worte, welche sie einer Persönlichkeit aus dem Altertum oder sogar dem Pfarrer von Ars, dem Heiligen Ignatius oder Papst Johannes XXIII. zuordnete. Ich hatte sogar, aus Gründen zur Unterscheidung der Geister, das enorme
’Werk’ Cosmologie d’Urancia, welches während einiger Jahre für jenseits des Atlantiks für Furore sorgte.

In dem Augenblick als die "Botschaft des Friedens und der Liebe" zu mir gelangten, ergoß sich über die Welt eine neue (andere) Art von Spiritismus, man nennt sie heute das "Channeling", welche man auf einem Fernseh-Kanal hören kann; dabei verbindet man sich mit höheren Geistern oder (irgendwelche) kosmische Wesenheiten, um deren Lehren und deren Anweisungen zu bekommen. Einige bekräftigen, von Jesus selbst einen Vortrag über die Wunder zu erhalten, einige treten mit Engeln in Verbindung; andere nehmen Verbindung mit Außerirdischen auf. Jedoch entdecken wir durch diese Schriften, welche oft auf Begriffe und Vokabular des christlichen Glaubens zurückgreifen, eine erstaunliche Mischung von Bräuchen verschiedener traditioneller Religionen, und Verbindungen mit Wesenheiten, welche dem Schamanismus eigen sind und typischen Einlagen pantheistischer Spiritualitäten des Orients.

Wir sind dann (bei diesen anderen Phänomenen) voll im Synkretismus, welches die Gnosis charakterisiert. Diese Phänomene präsentieren sich wie ein neues Evangelium, eine neue Religion: Das "New Age", mit dem Anspruch alle Religionen zu vereinigen und das Heilige aller Dogmen zu befreien, welche diese Vereinigung blockieren.

Hinsichtlich der modernen Gnosis befinden wir uns im Herzen des Kampfes des Heidentums gegen den christlichen Glauben. Der Atheismus hat in unseren Tagen Einzug gehalten, unter seinen beiden bissigsten Formen: Der Wissenschaftsgläubigkeit und dem dialektischen Materialismus. Der Vorstoß der Gnosis ist noch viel subtiler: Sie erstellt einen "kompatiblen" Synkretismus, eine Synthese, welche den christlichen Riten und evangelischen Werten nahe ist. Die Gnosis wird heutzutage durch eine Vielzahl von esoterischen Gruppierungen durch die Presse, das Verlagswesen, die Medien verbreitet. Die esoterischen Denker wissen, dass sie nichts gegen die Kirche ausrichten können, wenn sie den Glauben in seiner Reinheit bewahrt. Die Gläubigen hingegen geben, falls sie sich allen Arten von Vermischungen (von Glaubensrichtungen) und Irrtümern einlassen, ihre Standhaftigkeit im dogmatischen Glauben schnell auf, und bekunden eine Verhaltensweise die nichts evangelistisches (dem Evangelium getreues) an sich hat und sie vergessen die missionarischen Anforderungen ihrer Berufung. Die Gnosis arbeitet demnach daraufhin, die Kirche zu schwächen, in dem sie Zugeständnisse und Irrtümer in die Adern der Gläubigen einflößen.

Diese knappe Analyse zeigt, falls dies erforderlich ist, auf, weshalb sich meine anfängliche Besorgnis schnell verflüchtigt hat. Die geistige Erfahrung von Vassula hat keinerlei Ähnlichkeit mti dem "Channeling", diesem neuesten Kanal die zur Gnosis, zu Verwirrungen, zur Unwahrheit, zur Konfusion führt. "Das Wahre Leben in Gott" ordnet uns im Herzen des katholischen Glaubens ein. Die orthodoxen Kirchen haben einen ausgeprägten Sinn für die Eucharistie und die Heilige Kommunion unter den beiden Gestalten von Brot und Wein. Ebenso ist dort die trinitarische Spiritualität sehr hoch entwickelt, wie auch die Herrschaft des auferstandenen Christus, dem Pantokrator.

Für mich war es jedoch sehr erstaunlich, bei einer griechisch Orthodoxen eine intensive Hingabe an das Heilgste Herz Jesu und an das Unbefleckte Herz Mariens zu entdecken. Sie erlernte auch die Meditation des Rosenkranzes und betete ihn an jeder öffentlichen Veranstaltung. Ich war auch sehr bald erstaunt darüber festzustellen, mit welcher Kraft sie die Vorrangstellung des Petrus verteidigt und über die Liebe die sie zu Johannes Paul II. hat. Sie verkündet auch einen dringlichen Aufruf zur Einheit der Kirchen. Dieser Aufruf hat keinerlei Bezug zu den Bestrebungen der Gnosis eine Parallel-Kirche, eine Art "coole" Über-Religion in dem Wassermann-Zeitalter, aufzubauen. Man entdeckt im Gegensatz dazu im "Wahren Leben in Gott" einen großen Respekt der Verschiedenheit (der Religionen) gegenüber, jedoch wird immer die Einheit in der Wahrheit und in der Liebe, unter dem Vorsitz des Petrus und in der Feier des Einen Opfers bewahrt.
Im Plan Gottes ist diese Kirche auch äußerst marianisch. Auch in der eifrigen Liebe zur Eucharistie, der Universalität des Charisma des Petrus und die geistige Mutterschaft Mariens: Durch die Niederschriften Vassulas, erinnert uns der Herr Selbst an die großen Kraft-Pfeiler Seiner Einen Kirche.

In der Tat, unser Gott ist kein stummer Götze. Gott spricht heutzutage. Er äußert sich. Er ruft auf. Er trachtet danach, den Menschen persönlich zu begegnen, Seinen Kindern und möchte sich mit ihnen unterhalten. Er spricht durch Seine Schöpfung. Er spricht direkt ins Herz der Menschen, die sich sammeln, um zu hören. Wenn wir denken, dass Gott stumm bleibt und die Welt eine Leere ist (ohne Anwesenheit Gottes), dann deshalb, weil wir unseren Empfang nicht auf die richtige Wellenlänge eingestellt haben; denn das Wort Gottes erfüllt das gesamte Universum.

Die Heilige Schrift ist voller Männer und Frauen, welche ihre Erfahrung mit dem Wort Gottes gemacht haben, denn sie hatten die Fähigkeit mit ihrem inneren Ohr zuzuhören, mit Glauben im Herzen: Moses, David, Elias, Maria von Nazareth. Die Evangelien beschreiben den Eifer mit dem die Apostel und Jünger dem Wort Gottes lauschten. Gott hat uns mit Jesus Sein eigenes Wort geschenkt. In Ihm hat er uns alles notwendige gegeben, um unser Leben zu führen und sein Könrigreich zu entdecken. Weshalb sollte er aufhören zu uns zu sprechen, nach der letzten apostolischen Schrift? Er hat uns gesagt: "Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt."
(Mt 28, 20).
Weshalb sollte der Lebendige stillschweigen bewahren? Durch den Propheten Joel hat er uns die Zeichen aufgezeigt, welche wir erwarten dürfen: "Danach aber wird es geschehen, dass ich meinen Geist ausgieße über alles Fleisch. Eure Söhne und Töchter werden Propheten sein, eure Alten werden Träume haben und eure jungen Männer haben Visionen. Auch über Knechte und Mägde werde ich meinen Geist ausgießen in jenen Tagen." (Joel 3, 1-2 ; zitiert in der Agp, 2, 17-18).
So viele Erscheinungen und Botschaften, soviele Heilige Männer und Frauen, welche uns in der Geschichte der Kirche an die unaufhörliche, vielsagende, Gegenwart des Herrn, der uns ganz nahe ist.

Meine langjährige Erfahrung in der geistigen Begleitung zeigt mir auch auf, dass Gott oft zu seinen Kindern spricht, auf verschiedene Weisen. Je mehr die Herzen der Leute einfach und offen sind, je mehr kann das Wort Gottes ihnen Rat geben, sie ermahnen, führen, erleuchten. Oft habe ich meiner Freude freien Lauf gelassen, mit dem Gebet Jesu: "Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast." (Lk 10, 21). Welch wunderbares Privileg der Demut! Es ist offensichtlich, dass die einen und anderen der Unterscheidung der Kirche bedürfen, um die Gewissheit zu haben, was sie denn da (für eine Botschaft) angetroffen haben. Die Rolle des geistlichen Begleiters auf diesem Gebiet liegt nicht darin, die Prophezeiungen auszuradieren, sondern zu unterscheiden, ob sie mit der Heiligen Schrift übereinstimmen, ob sie sich den gegenwärtigen geistigen Strömungen gegenüber richtig anhören, ob sie die Leute, die Gemeinschaften und die Kirche mobilisieren, aufwecken. Diese prophetischen Worte bringen keine neue Offenbarung mit sich. Sie helfen jedoch ohne Unterbruch das Wort Gottes zu aktualisieren und sorgen dafür, dass die Wachsamkeit bewahrt bleibt.

Dieses lebendesspendende Licht des Wortes ist für die christliche Gemeinschaft so wichtig, dass die Esoterik, die Wahrsagerei, der Spiritismus bestrebt sind Zweifel und Verwirrung im Geist der Gläubigen zu stiften. Sie versuchen dies bei Prophezeiungen und anderen Manifestationen des Heiligen Geistes. Deshalb erfindet das "New Age" alle möglichen Versmischungen, damit man sich vom wahren Glauben abwendet; dabei bleiben sie ihrer Art und Weise treu: Der Gegner äfft die Wege Gottes nach. Seine Faxen lassen sich jedoch rasch ausfindig machen. Man sieht: Wir brauchen eine weise Begleitung im geistigen Leben.

Viele Themen im "Das Wahre Leben in Gott" begeistern mich: Christus als geistiger Begleiter, der Ruf zur Umkehr, die Verbundenheit mit dem dreifaltigen Gott, die "wir-uns"-Kommunikation. Ich möchte einen Augenblick bei der liebenden innigen Vertrautheit zwischen Gott und den Kindern seiner Familie verweilen. Wir sind überrascht, bereits ab den ersten Seiten die Zärtlichkeit, die Milde, die Feinfühligkeit dieser bräutlichen Liebe zwischen Jesus und Vassula zu entdecken. Rasch gibt der Herr dem Leser zu verstehen, dass sich dieselbe leidenschaftliche Liebe, mit derselben Kraft und demselben Eifer, auch an ihn wendet, an jeden Gläubigen. Eine Wahrheit drängt sich auf: "Ich Bin" liebt uns mit einer leidenschaftlichen, konkreten, schmerzhaften Liebe, die all seinen Aufrufen nachgeht. Denn er erwartet, im Leiden seines Herzen eine Erwiederung dieser Liebe, des Vertrauens, der Treue. Alles entsetzt ihn, was seine Beziehung mit Ihm vermarktet, verbürokratisiert, rationalisiert.

Die Botschaften, welche Vassula niederschreibt sind ein immenses Gleichnis, in dem Gott seinen Durst herausschreit, seinen Wunsch, sein Leiden der Gleichgültigkeit und der Revolte der Menschen gegenüber. Überall ist das Kreuz im Zentrum dieser bräutlichen und zerrissenen Liebe unseres Gottes.

Mit diesen Botschaften treten wir in eine Erweiterung der Hingabe an das Heiligste Herz Jesu ein. In der Nachfolge der großen Offenbarungen des Heiligsten Herzens an die Heiilge Gertrude und an die Heilige Margareta Maria (Alacoque), hatte die erste Hälfte unseres (des vorangegangenen Jahrhunderts) die schmerzhaften Akzente des barmherzigen Herzens Jesu vernommen: Schwester Faustina Kowalska, eine polnische Ordensschwester, hatte die Ära der Barmherzigkeit verkündet, de es braucht, um die Pforten der Hölle unserer Generation zu zerbrechen. Dieselbe Strömung der leidenschaftlichen Liebe des Herzen Jesu für den Vater und für die Menschen findet sich in den Niederschriften von Vassula wieder. Hier gebraucht Gott jedoch nicht eine Ordensschwester. Er drückt sich durch das Leben eines Laien, einer Ehefrau und Hausfrau und Mutter aus. Sie ist Orthodox und hat niemals von der Hingabe an das Heiligste Herz Jesu gehört. Sie ist eine Frau von Welt, die sich mühelos in fünf Sprachen äußern kann. Die Bekehrung dieser Frau ist selbst ein Zeichen des Jona, für ihre Zeit. Christus ging hin, um sie aus ihrer geistigen Nichtigkeit aufzuheben, um sie zu mit seiner eigenen Hand zu formen und sie in das "Wahre Leben in Gott" einzuführen.

So macht Er dann aus ihr Seine Zeugin. Ein Zeuge ist jemand, welcher durch eine persönliche und direkte Erfahrung berührt wurde. Nun entsendet Er seine Zeugin, um allen die Dringlichkeit ihrer Bekehrung und Läuterung anzukünden. Denn Gott möchte auf die Welt ein reinigendes Feuer ausbreiten. Gleichzeitig verkündet Vassula mit Stärke den Wunsch Gottes, Seinen Heiligen Geist auf alles Fleisch auszugießen. Auf diese Weise, am Ende eines Jahrhunderts, welches wie niemals zuvor voll von Hass und Gewalt erfüllt war, verspricht der Herr Selbst Seinem Volk, dass Er eine neue Zeit anbrechen lassen wird, in der dfas Gesetz der Liebe und des Evangeliums die menschlichen Beziehungen umwandeln werden. Für all jene, welche hartnäckig in der Welt für ein Kommen des Königreichs der Wahrheit, des Friedens, der Gerechtigkeit und der Liebe kämpfen, öffnet diese Ankündigung einer Ära der Liebe neue und vielfältige Perspektiven. Sehen wir da draussen nicht einige Lichtschimmer, wie bei der Geburt eines Kindes? So ist auch "Das Wahre Leben in Gott" ein Buch, welches unsere Hoffnung belebt.

Père Raymond Halter
Marianiste
La Vraie Vie en Dieu (Vorwort zum "supplément 2" in den Botschaften von "Wahres Leben in Gott)
Editions du Parvis, Hauteville, Oktober 2001